PR-Couch
Teil 37
Methoden der PR-Evaluierung
Medienresonanzanalyse
gehört zu der wohl populärsten Methode der PR-Erfolgskontrolle. Seit einigen
Jahren gibt es sowohl in der Wirtschaft als auch in der Wissenschaft
Bemühungen, neue Formen der Messbarkeit zu entwickeln. Zuerst muss jedoch
festgehalten werden, wie schwer es ist, eine allgemein gültige Formel zur
PR-Evaluierung zu entwickeln, da im Idealfall jede PR-Kampagne einmalig ist.
Folglich ist es wichtig, für jede Analyse ein Bedarf- und Kunden orientiertes
Untersuchungsmodell auszuarbeiten. Im Folgenden werden aus einer Vielzahl
unterschiedlicher Methoden zwei Modelle vorgestellt.
Eine
der bekannteren wirtschaftlichen Methoden, die auch auf die PR-Evaluierung
umgelegt werden kann, wurde Anfang der 90er-Jahre von Robert Kaplan und David
Norton an der Harvard Universität entwickelt. Ziel war es, die bis dahin
vorherrschende Praxis der einseitigen Finanz- und Vergangenheitsorientierung
von Kennzahlsystemen zu überwinden. Im Kern handelt es sich bei dieser Methode
um ein System von Kennzahlen, die über die Ursache/Wirkungszusammenhänge
miteinander verbunden sind. Dadurch wird herausgearbeitet, in welchem
Zusammenhang diverse Kennzahlen zueinander stehen. Folglich wird deutlich, in
welchem Ausmaß eine Kennzahl zur Erreichung der strategischen Zielsetzung
beiträgt.
Die
Balanced Scorecard stellt also ein aktuelles Instrument zur Erfolgsmessung von
Unternehmen dar. Neu an dem Instrument ist der Versuch, verschiedene
Perspektiven in die Erfolgsmessung einfließen zu lassen. Eine Beschränkung auf
ausschließlich finanzwirtschaftliche Kennzahlen wird vermieden. Vielmehr wird
eine Balance zwischen monetären und nicht finanziellen Kennzahlen (z.B.
Kundenzufriedenheit, Kundenbeziehungen, internen Prozessen sowie Lern- und
Entwicklungsperspektiven der Mitarbeiter) kurzfristiger und langfristiger
Perspektiven angestrebt. An die Stelle von Ergebniskennzahlen treten
zukunftsorientierte Indikatoren. Dadurch sollen sich konkrete Ziele und
Maßnahmen zur Erreichung der gesetzten Strategie ergeben.
Ein
weiteres Modell, das die Erreichung von strategischen Unternehmenszielen
ermittelt, ist das Value Based Management.
Auf der Basis von vorhandenen theoretischen
Evaluationsmodellen und einem praktischen Hintergrund baut Nanette A. Besson
ein neues Modell der Evaluierung auf, das vorhandene Methoden integriert. Dieses Modell hat Dr. Besson im Rahmen ihrer
Dissertation entwickelt und getestet. Laut Besson ermöglicht dieses PR-Kennwertsystem
eine übersichtliche Darstellung und Bewertung sowohl der Quantität als auch der
Qualität eines PR-Programms.
Mit
Hilfe der theoretischen Basis ihres Modells konstruiert Besson ein
PR-Kennzahlensystem, das für jedes Projekt maßgeschneidert wird. Dabei werden
jene Investitionen, die in die Planung und Durchführung der
Öffentlichkeitsarbeit gesteckt werden, dem Effekt der PR-Maßnahmen
gegenübergestellt.
Diese
Effekte setzen sich für Besson aus der „Einstellungsevaluation“ zusammen. Damit
meint sie Kennzahlen, die im Zusammenhang mit Verhalten, Emotionen, Wissen und
Meinung stehen, sowie auch die „instrumentelle Evaluation“ – dabei handelt es
sich um Kennzahlen die in Bezug auf die Wahrnehmung, Aufmerksamkeit,
Medienresonanz, PR-Maßnahme und die allgemeine Situation stehen.
Ein
Nachteil dieser Methode besteht darin, dass für jede PR-Maßnahme dieses
Kennwertsystem neu angepasst werden muss. Dadurch erschwert sich der Vergleich
mit bereits ermittelten Werten aus anderen PR-Maßnahmen. Andererseits bietet
dieses System eine sehr komplexe Evaluierung der jeweiligen PR-Maßnahme.
Vertiefende Literatur:
Besson,
Nanette A.: Strategische PR-Evaluation. VS
Verlag für Sozialwissenschaften, 2003
Link:
Vertiefende
Literatur:
Kaplan,
Robert S./ Norton, David P.: Balanced Scorecard. Strategien erfolgreich umsetzen.
Schäffer-Poeschel Verlag;1997
Link:
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