PR-Couch Teil 42
Issue
(engl: Thema, Sachverhalt) Management bezeichnet die systematische Beobachtung,
Analyse und strategische Beeinflussung öffentlicher Kommunikation. In den USA
ist es längst zur Unternehmenskultur geworden. Ursprünglich ging es dem
PR-Berater W. Howard Chase 1976 um eine Neukonzeption von PR - eine Ausweitung
des Aktionsradius. Issue Management sollte die PR, die für Chase bis dahin nur
eine Ansammlung verschiedener Techniken war, aufwerten und als
Managementfunktion etablieren.
In
den letzten drei Jahrzehnten ist Issue Management - auch im deutschsprachigen
Raum - zu einer Agenda geworden, die nachweislich zusätzlichen strategischen
Wert schafft. Wer nicht selber rechtzeitig und offensiv kommuniziert, riskiert,
dass dies andere über ihn machen – und dies meist nicht im gewünschten Sinne.
Issue Management deckt als Teil der Unternehmensführung den gesamten
Kommunikationsprozess eines Unternehmens ab, vom Monitoring und der
Früherkennung über die Szenarienentwicklung bis hin zum aktiven Agenda Setting
(PR-Couch Teil 40).
Durch
den gesellschaftlichen Wandel nahm das öffentliche Interesse an
wirtschaftlichen Belangen fortwährend zu, mit teilweise gravierenden Folgen.
Die Globalisierung der Informations- und Wirtschaftsmärkte, der stetige
Wertewandel in der Gesellschaft und intensiveres Umweltbewusstsein zeigen, dass
gesellschaftliche Aspekte starken Einfluss auf den Erfolg einer Firma haben.
Vor dem Hintergrund unserer heutigen Mediengesellschaft ist es eine Einladung
zu einer Krise, jene Thematiken zu ignorieren, die die Öffentlichkeit bewegen.
An dieser Stelle setzt das Issue Management ein, um aus einem Unternehmen ein
offenes System zu formen, das äußere Einflussnahmen früh aufdeckt und darauf
prompt und aktiv reagiert. Viele Unternehmen mussten schon negative Erfahrungen
mit fehlgeschlagenem Issue Management machen. In Folge führte dies zu massivem
Imageverlust (PR-Couch Teil 16) und Gewinneinbruch. Beispiele: Deutsche
Automobilbranche („Elch-Test“), Österreichische Literaturvermittlung
(„Austro-Koffer“)
Das
amerikanische Issue Management Council verdeutlicht mit einem Prozess-Modell
die Systematik des Issue Managements:
Ø Issue aufspüren
Ø Issue analysieren und bewerten
Ø Strategische Optionen zur Bearbeitung der Issue
Ø Umsetzung der Maßnahmen
Ø Auswertung der Ergebnisse
Leider
weist die Auseinandersetzung mit den theoretischen und methodischen Grundlagen
des Issue Managements selbst heute noch zahlreiche Defizite auf, wenn
Strategien und Maßnahmen zur Vermeidung von Krisen nicht genau geplant und
danach umgesetzt werden. Das reicht von z.B. fehlendem Mut zur Definition bis
zur Geheimhaltung, weil wieder alles
gut gegangen ist. Issue Management dient, zusammenfassend, nicht nur der Krisenprävention
sondern kann auch als Chancenkommunikation angesehen werden (Frühwarn- und
Reaktionssystem).
Vertiefende Literatur:
Kuhn,
Michael / Kalt, Gero / Kinter, Achim: Chefsache Issue
Management. Ein Instrument zur strategischen Unternehmensführung. Grundlagen,
Praxis, Trends. Frankfurter Allgemeine Buch; Auflage: 1, 2003
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