PR-Couch
Teil 32
PR-Geschichte Österreich ein Überblick
In
der Anfangsphase war PR sehr Personen bzw. Regime verbunden. Sie diente
hauptsächlich zur Unterstützung von Königen, klerikalen Schichten und anderen
Führern. Von Beginn an stand die Herrscherklasse kritisch dem neuen
Massenmedium „Zeitung“ gegenüber. Um gewissen Ängsten entgegenzuwirken, machte
sich sowohl die weltliche als auch die geistliche Obrigkeit die Presse zu
nutze. Deshalb beginnt dieser geschichtliche Überblick zur PR-Geschichte in Österreich
mit der wohl bekanntesten Monarchin: Maria-Theresia
Von Maria Theresia bis Metternich
Die
Presse und Zensur im Habsburger-Reich unterschied sich im 18. Jahrhundert
wesentlich von seinen Nachbarländern. Im Gegensatz zu den Preußen waren die
Habsburger weniger bemüht, die Meinungsbildung im eigenen Lande zu ihren
Gunsten zu beeinflussen. Primär bestand Maria-Theresias PR-Philosophie unter
dem Slogan: „tue gutes und sprich darüber“. Jedoch war ihre Nächstenliebe von
ökonomischen Interessen geleitet.
Die
enormen Summen, die die damaligen Kriege verschlangen und gleichzeitig die
Bevölkerung zermürbten, erzwangen eine Neuordnung der damals aufkommenden
Presse. Durch eine Verordnung erteilte Maria Theresia einer Zensurbehörde den
Auftrag, künftig „Communiques“ über inländische Nachrichten abzufassen und sie
im gesamten Reich zu verbreiten. Dadurch wurden in Wien erschienene Zeitungen
wie das „Diarium“ und die „Gazette de Vienne“ nur noch zum Sprachrohr der
Monarchie. Jedoch reichte die Zensur als Instrument der Meinungsbeeinflussung
nicht mehr aus, um die Kritik aus der bürgerlichen Gesellschaft zu entschärfen.
Maria-Theresias Sohn, Joseph II, ließ zunächst die Presse gewähren, was zu
einer vielfachen Veröffentlichung von Zeitungen und Broschüren führte. Jedoch
war die Lockerung der Zensur nur ein kurzes Zwischenspiel. Später erreichte die
Zensur unter Fürst Metternich einen neuen Höhepunkt. Durch das Metternichsche
System versuchte er, bestimmte Ideen im Habsburgerreich durchzusetzen. Zu
dieser Zeit gab es in Wien zunächst nur eine offizielle politische Publikation:
die „Wiener Zeitung“ (1810 folgt der „Österreichische Beobachter“).
19. Jahrhundert bis 2. Weltkrieg
Kritische
Gesellschaftsgruppen schafften es durch andere Formen der Kommunikation
(Demonstrationen, Feste, politische Literatur und auch Lesegesellschaften)
ihren Protest und ihre politischen Forderungen auszudrücken. Erst die
Revolution 1848 ermöglichte der breiten Volksmasse die Auseinandersetzung mit
der schriftlichen Nachrichtenvermittlung und politischen Meinungsbildung. 1848
wird aber auch das „Zentralbureau“ gegründet, das zum Zweck hatte, die Presse
zu beeinflussen. 1852 ersetzt Kaiser Franz Joseph diese Institution durch das
„Preßleitungskommitee“.
Durch
die vermehrte Bildung von Parteien entstanden diverse Parteipropaganden. Die
Parteien waren bemüht, mittels der Presse, durch Versammlungen oder
Demonstrationen die öffentliche Meinung zu beeinflussen. So gründete z.B.
Viktor Adler (sozialistische Partei) 1889 die „Arbeiterzeitung“ und war bis
1918 auch deren primärer Autor. Das erste Zeitungskolleg wurde 1909 an der
Wiener Unversität von dem Historiker Wilhelm Bauer abgehalten. Jedoch entstand
erst 1942 ein Hochschulkurs für Pressewesen an der Universität Wien.
Nach
dem ersten Weltkrieg kommt es vorläufig zu einem Wegfall der Zensur, das eine
fast völlige Pressefreiheit zur Folge hat. Als Anfang der 30er Jahre neue
Medien wie der Rundfunk und Film aufkamen, wurden diese von Beginn an auf
Regierungskurs gehalten.
2. Weltkrieg
Der
Propagandaapparat des NS-Regimes wurde bereits in der letzten PR-Couch (Teil
31) angeführt. Zusätzlich sei noch erwähnt, dass es während der NS-Zeit zu
einem regelrechten Zeitungssterben in Österreich kam. 1938 gab es noch 22
Tageszeitungen, kurz vor Kriegsende lediglich noch vier.
Die
US-Besatzungsmacht errichtete nach dem 2. Weltkrieg eine Dienststelle, die die
öffentliche Meinung im amerikanischen Sektor ermitteln sollte. Der damalige
Mitarbeiter Siegfried Beckert gründete dann 1949 das erste unabhängige Markt-
und Meinungsinstitut in Österreich.
Nach
dem 2. Weltkrieg kamen besonders Parteizeitungen verstärkt auf. Deren primäre
Aufgabe war die Beeinflussung und auch Bestärkung der eigenen Stammwähler.
Gleichzeitig dienten diese Publikationen als Sprachrohr für die
Auseinandersetzung mit den politischen Konkurrenten. Dadurch bildete sich aber
auch eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Regierung und Presse heraus.
Der
Rundfunkbereich war nach 1945 von Uneinheitlichkeiten – auch innerhalb der
Führungsebene – gekennzeichnet. Das Rundfunkgesetz von 1966 beschloss den
Entzug der Parteipolitik und ernannte einen Bildungsauftrag für den
öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
Sechziger bis Achtziger Jahre
Anfang
der 60er Jahre diente die PR-Arbeit primär als Mittel zum Konkurrenzkampf. Die
erste PR-Agentur in Österreich – Pubrel Public Relations Ges.m.b.H. – wurde
1964 von Ernst Haupt-Stummer gegründet. Ein Jahr darauf entstand die Agentur
Publico Public Relations Ges.m.b.H. von Prof. Mittag, deren oberstes Anliegen
vor allem in der Pressearbeit (lancieren von Artikeln, Pressekonferenzen) lag.
1968 wurde eine Arbeitsgemeinschaft für Pressereferenten und 1969 die
„Österreichische PR-Gesellschaft“ gegründet. Zu dieser Zeit bildeten sich
PR-Abteilungen noch aus Werbeagenturen heraus.
1975
kommt es zur Gründung des Public Relations Club Austria – kurz PRCA. Eines der
ersten Ziele dieses Vereins war die Neuregelung der gewerberechtlichen
Situation des PR-Berufstandes. 1980 geht aus diesem Verein der Public Relations
Verband Austria hervor (www.prva.at).
Ab
den 80er Jahren wird PR in Österreich als zentrales Kommunikationsinstrument
gesehen, das den Dialog zwischen allen externen Märkten und
Interessensvertretern führt, sowie den internen Dialog fördert. Dadurch können
die Unternehmensziele bestmöglich realisiert werden.
Vertiefende
Literatur:
Dejan Vercic / Betteke van
Ruler: Public Relations and
Communication Management in Europe. Gruyter Verlag, April 2004
Kontaktinformationen:
Berenika PR&Event
Wienergasse 104
A-2380 Perchtoldsdorf
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