Aktionismus bezeichnet ein
Spezialgebiet der Öffentlichkeitsarbeit, in der die zu vermittelnde Botschaft
auf das Wesentliche reduziert und durch eine dramatische bzw. anschauliche Form
mediengerechter (besonders im visuellen Bereich) dargestellt wird (Quelle:
PRVA/Glossar). Aktionismus
ist ein wichtiges Instrument der Kommunikationsarbeit, um in der Öffentlichkeit
verstärkt wahrgenommen zu werden. Deshalb nützten und nützen vor allem
Politiker, Menschenrechtsorganisationen und Umweltschutzorganisationen gerne
diese Form der öffentlich-medialen Inszenierung.
Der Grund für
solche Aktionen ist einleuchtend: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“. In
unserer medial geprägten, schnelllebigen Welt hat ein Bild meist eine stärkere
Aussagekraft als lange Erklärungen. Und genau diese Schiene wird beim
Aktionismus genutzt: Uns allen sind spektakuläre Aktionen bekannt, die am
Bildschirm zu sehen waren oder in Zeitungen abgedruckt worden sind:
Umweltschützer, die mit ihren Schlauchboten riesige Schiffe (meist
Walfangflotten) aufhalten wollten; ein Fackelzug tausender Österreicher am
Heldenplatz, die gegen die politische Situation im Lande protestierten (ins
Leben gerufen durch Bürgerinitiativen und politische Gruppierungen) oder die
Besetzung von Firmensitzen – wieder einmal waren es Umweltschützer – die die
Fassaden der Firmen mit Plakaten verdeckt haben und auf diesen Plakaten ihre
Botschaften und ihren Protest
mediengerecht präsentiert haben. Meist arbeiten
Organisationen und Politiker bei ihren Aktionen eng mit Journalisten zusammen,
um eine öffentliche Aufmerksamkeit herzustellen. Oft erzielen jedoch solch
inszenierte Darstellungen kurzfristig keine Erfolge, können aber langfristig zu
Veränderungen führen.
Kritiker werfen dem
Aktionismus ein meist unreflektiertes, zielloses Handeln vor. Für manche steht
dieser Begriff für eher unorganisierte, politische oder soziale Aktionen. Diese
Aktivitäten bewirken z.B. eine Veränderung bestehender gesellschaftlicher
Verhältnisse. Kritiker gehen jedoch
davon aus, dass die Ziele solcher Aktionen weder genau definiert worden
sind, noch zu Ende gedacht und somit deren Konsequenzen meist nicht
berücksichtigt wurden. Auch muss sich jeder Aktionismus die Kritik gefallen
lassen, dass eher komplexere Themen oft sehr vereinfacht – meist auf Symbole
reduziert - für die Medien inszeniert werden. Anderseits hat dies auch den
Vorteil, dass eine komplexe Thematik leichter verständlich gemacht und in ein
emotionaleres Umfeld eingebettet wurde – damit erhöhen sich sowohl der
Aufmerksamkeits- als auch der Unterhaltungswert.
Digitaler Aktionismus
Mittlerweile wird auch das
Internet für den Aktionismus genützt. So wird z.B. via E-Mails eine enorme
globale Reichweite erzielt, um Botschaften zu vermitteln. Ein weiteres Teilgebiet
ist das Media Hacking. Darunter versteht man verschiedene Formen der
Manipulation von Medien (meist durch Amateure), die dabei bestehende
Technologien ausnutzen – ähnlich dem Computer-Hacking. Speziell handelt es sich
dabei um Eingriffe in bestehende Medienauftritte, wie z.B. die Veränderung von
oder Parodie auf Websites. Allerdings handelt es sich hierbei um eine
rechtliche Grauzone, die sicherlich nicht von professionellen PR-Agenturen
benutzt werden.
Wer sich mit dieser
Thematik intensiver auseinander setzen will, dem empfehlen wir einen Artikel
von Hans Bernhard: Media Hacking - Digitaler Aktionismus
http://kommunikationsguerilla.twoday.net/stories/942231/
Vertiefende
Literatur:
Schulz-Bruhdoel, Norbert:
Die PR- und Pressefibel. Zielgerichtete Medienarbeit. Ein Praxislehrbuch für
Ein- und Aufsteiger. Frankfurter Allgemeine Buch, 2001
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