PR COUCH TEIL 19
Kultur-PR
Vielen
Kulturschaffenden ist folgendes Szenario leider sehr vertraut: Halbleere
Theatersäle oder Konzerte, eine schlecht besuchte Vernissage, ein nicht
ausgebuchter Workshop. Wachsende Konkurrenz und Kürzungen öffentlicher Förderungen
bedrängen Kulturinstitutionen so sehr, dass sich immer mehr von ihnen durch
professionelle PR-Arbeit ein verstärktes öffentliches Interesse für ihre
„Produkte“ erwarten. Wie kann nun die PR der Kultur helfen?
Niemand
existiert in einem Vakuum. Wir sind alle in einer Gesellschaft bzw. vielen
Teilgesellschaften verankert. Ziel einer jeden PR-Arbeit ist es, eine
verbesserte Information, Legitimation und Akzeptanz in der Öffentlichkeit
gegenüber Unternehmen, Organisationen, Produkten oder Personen zu schaffen. Kultur muss man jedoch weniger als
Produkt denn viel mehr als einen signifikanten Wert, der in
Kommunikationsprozessen vermittelt wird, betrachten.
Für die
Kultur-PR ergibt sich daher folgende Funktion:
Informationen
über Kultur werden so aufbereitet, dass die Öffentlichkeit die Bedeutung einer
kulturellen Inszenierung (z.B. Theaterstück, Ausstellung) sowie den Stellenwert
der Kultur im Allgemeinen als eine gesellschaftsprägende Instanz verdeutlicht.
Das Publikum
Die
Bemühungen von Kulturschaffenden zielen auf die Unterhaltung, Bildung, Anregung
aber auch auf die Provokation des Publikums ab, das durch sein Verhalten über
die Bedeutung und die Existenz einer Produktion mitentscheidet. Es kann eine
kulturelle Produktion sowohl annehmen, als auch ablehnen. Allerdings sollte ein
Kulturprodukt nicht nach dem Kundenwunsch geschaffen werden – dadurch würde es
seine Originalität verlieren. Die Rahmenbedingungen können jedoch nach dem
Kunden ausgerichtet werden (wie z.B. Preise, Service, Broschüren, …). Das ist
einer der Gründe, warum gerade Kulturbetriebe die Begriffe Marketing, PR und
Werbung zu einem Konzept vereinen. Das Ziel sollte sein, einem an Kultur
interessierten Publikum das nötige Service zu bieten, andererseits einem an
Kultur uninteressierten Publikum einen Zugang zu Kultur zu verschaffen. Oftmals
hat letztere Publikumsgruppe diverse Vorurteile gegenüber Kultur – wie z.B.
dass Kultur nur für Reiche und Gebildete sei. Diese Vorurteile sollten durch
Öffentlichkeitsarbeit abgebaut werden. Außerdem kann die Kultur-PR dieser
Gruppe das nötige Hintergrundwissen zu einer Kulturproduktion vermitteln und
ihm dadurch den Zugang zu den Produktionsinhalten erleichtern.
Funktionen der Kultur-PR
Die Öffentlichkeitsarbeit eines
Kulturbetriebes übernimmt noch eine weitere Reihe an Funktionen:
Kultur-PR
ist nicht nur als Entscheidungshilfe für den Einzelnen zu sehen, sondern
fördert gleichzeitig den Stellenwert von Kultur innerhalb der Gesellschaft. Der
Vorteil bei der Kultur-PR liegt in einem gewissen Grundvertrauen, das der
Kultur oft entgegengebracht wird. Ein Nachteil dieser speziellen
Öffentlichkeitsarbeit ist darin zu sehen, dass ihr Tätigkeitsfeld jedoch einen
eher geringeren Stellenwert auf dem Meinungsmarkt darstellt und die breite Öffentlichkeit
der Kultur relativ gleichgültig gegenüber steht. Daher muss die Kultur-PR
hauptsächlich um ihre gesellschaftliche Relevanz kämpfen.
Vertiefende Literatur:
Scheurer, Hans (Hrsg.): Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für
Kultureinrichtungen: ein Praxisleitfaden. Transcript-Verlag, 2001
Mandel, Birgit: PR für
Kunst und Kultur, Zwischen Event und
Vermittlung. Frankfurter Allgemeine Buch Verlag, 2004
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